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Muttensweiler

 Landkreis Biberach

Bistum Rottenburg-Stuttgart

Patrozinium: St. Jakobus

St. Jakobus Nordansicht  (31136 Byte)
Geschichte. 1275 ist schon eine Pfarrkirche in Muttensweiler genannt. Die jetzige katholische Kirche St. Jakobus wurde 1750/51 vom Kloster Schussenried erbaut. Sie ist das Erstlingswerk des Klosterbaumeisters Jakob Emele. Dessen Großvater und Vater wohnten zeitweise in Muttensweiler. Die Stukkaturen fertigte Georg Lechner aus Wettenhausen. Die Orgelempore wurde später eingebaut. Sakristei-Anbau 1901. Bis zur KlosterAuflösung 1803 war dieses Gotteshaus "Wechselpfarrei" mit Steinhausen. Jetzt Filialkirche von Steinhausen, Dekanat Biberach.

Das Äußere ist in den Kirchenfarben gelb-weiß gehalten. Über dem Seiteneingang ist das Wappen des Bauherren angebracht: M. A. Z. S. = Magnus (Kleber) Abt zu Schussenried. Gefertigt vom Bildhauer Johann Baptist Trunk aus Meersburg. Darüber die Sonnenuhr. Der Vogel mit Nest wurde bei der letzten Außenrestaurierung 1980 dazugemalt.

Das Innere zeigt einen harmonischen Gesamtraum, der 1983/84 restauriert wurde. Der Wand entlang sind etwas über Augenhöhe 12 Apostelkreuze gemalt, die an den Abendmahlsaal und an die 12 Tore der Offenbarung des Johannes (21,12 ff.) erinnern. Die 14 Kreuzwegstationen hinten sind Drucke.

Der beherrschende Anblick sind die 3 Altäre. Ihr Meister ist nicht bekannt. Die Bilder stammen von Chrysostomus Forchner, dem älteren Bruder des früh verstorbenen Freskenmalers. Der Hochaltar zeigt die Enthauptung des Kirchenpatrons Jakobus des Älteren. Zu seinem Gedenktag, 25. Juli, wird das Patroziniumsfest gefeiert. Im oberen ovalen Altarbild die Bauernpatrone St. Wendelin (links) und St. Isidor (rechts). Figuren aus Holz: links Hl. Norbert, rechts Hl. Abt Siard mit Brotlaib. Oben erinnert der Engel mit dem Schwert wieder an den Tod des Apostels. Der andere, Engel mit dem Kelch ist ein Hinweis auf die Bibelstelle Mt 20,22, in der ..Jakobus und Johannes den Kelch des Leidens trinken wollen. Wie in wohl allen Kirchen der Barockzeit ist im Hochaltar in der zentralen Mitte der Tabernakel (erneuert um 1900). Das rote "ewige" Licht, eine schöne Silberschmiedearbeit, verweist auf die besondere Gegenwart unseres Herrn Jesus Christus im heiligsten Altarsakrament. Die zwei anbetenden Engel auch um 1900.

Am Chorstuhl ist eine Schnitzerei sehenswert, die noch aus der alten Kirche stammt. Auch zu beachten die gute Drechslerarbeit der Kommunionbankschranke und der schöne Boden aus Ziegelplatten.

Am linken Seitenaltar ist im großen Bild die Geburt Christi zu sehen. Oben St. Nikolaus von Myra, Nebenpatron. War er früher Hauptpatron? Der rechte Seitenaltar ist der Nebenpatronin Agatha von Sizilien gewidmet. Oben die Hl. Ursula.

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Deckengemälde: 6 Fresken von Franz Xaver Forchner, Dietenheim

Ihre Kunstqualität wurde schon verschiedentlich gerühmt. Leider haben die Farben seit 1751 an Leuchtkraft verloren, da keine Lüftungslöcher angebracht sind und Feuchtigkeit im Laufe der Zeit die Farbfülle beeinträchtigt hat. Das Hauptgemälde im Kirchenschiff besteht aus 2 Szenen.
Obere Gruppe: Übergabe des Ordensgewandes mit Brustkreuz durch Maria an den Hl. Norbert und Hin weis auf die Ordensregel durch den Hl. Augustinus.
Untere Gruppe: Zwei Engel mit Erzbischofsstab und Monstranz, von der aus ein Lichtstrahl auf zwei Irrlehrer herabfährt und sie blendet. Einer der Ketzer ist Tanchelin, der im Fallen einen Kelch mit Hostien umstürzt. Dargestellt ist der Triumph des Ordensvaters der Schussenrieder Chorherren und der Niedergang der Irrlehrer, die das Altarsakrament verachteten.

Die vier kleinen Bilder in Medaillenform zeigen je zwei .Heilige des Prämonstratenserordens. Die Namen sind dazugeschrieben. Das Bild über dem rechten Seitenaltar hat am linken Rand den Namen des Malers "F.X.F." abgekürzt und die Jahreszahl "1751", kettenähnlich gemalt.

Im Deckengemälde des Chorraums ist die Krönung Mariens durch Gott-Vater und Jesus Christus abgebildet. Darüber der Heilige Geist in Taubengestalt. Am linken unteren Bildrand befindet sich eine unter Kennern der barocken Baukunst stets aufmerksam beachtete Rarität: Malerei und Stuckzier gegen ineinander über. Der Engel mit dem Weihrauchfaß ist zum großen Teil gemalt. Der rechte Fuß ist jedoch aus Stuck masse. Ebenso ist die Wolke nebenan teils aus Stuck, teils gemalt.

 

An den Wänden des Kirchenschiffes 4 alte Statuen aus Holz. Links eine gotische Madonna aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, Zuschreibung Ivo Striegel, Memmingen, der künstlerische Höhepunkt der Kirche. Gegenüber eine "Anna-Selbdritt" (Großmutter Anna, Maria, das göttliche Kind), Anfang 18. Jahrhundert, Johann-Ruez-Werkstätte Wurzach? Über dem Taufstein der Kirchenpatron Jakobus, als Patron der Pilger dargestellt, 2. Hälfte 17. Jahrhundert. Diese Figur stand früher außen über dem Portal. Dort jetzt eine Kopie. Muttensweiler liegt an einem der Pilgerwege nach Santiago de Compostela. Die "Stabmadonna", Anfang 18. Jahrhundert, wird heute noch bei der Fronleichnamsprozession mitgetragen.

Am Chorbogen Kreuzigungsgruppe (seitlich Maria und Johannes), 2. Hälfte 19. Jahrhundert. Links vorne im Chorraum eine Schmerzensmutter (Pietá) Ende 19. Jahrhundert.

 

Die Kanzel ist vom Kirchturm her zugänglich. Am Deckel innen die Hl.Geist-Taube. An der Brüstung die 4 Evangelisten. Die Kunstqualität läßt die Gesellen der Forchner-Werkstatt vermuten. Die Anordnung ist ungewöhnlich: von links Johannes mit dem Adler, Lukas mit dem Stier, Matthäus mit dem Engel, Markus mit dem Löwen (je nur der Kopf), das Evangelium schreibend, ausgenommen Lukas, der ein Madonnenbild malt.

An der Brüstung der Orgelempore der Gute Hirte und die 12 Apostel, auf Goldgrund gemalt. Paulus ist dabei; deswegen fehlt 'Matthias. Darüber an der Außenwand Holzfiguren von Maria und Josef. Die Orgel wurde 1958 von Reiser in Biberach gebaut. Auf 2 Manualen mit Pedal hat sie 15 Register.

Diese Statue stellt den Kirchenpatron St. Jakobus dar.
Muttensweiler liegt an einem der Pilgerwege nach Santiago de Compostela.


  
© Dietmar Jehle 1999 erstellt: 02.05.1999

überprüft: 06.12.2002